Olaf Staudt
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Astrologische Analysen



Der neue Papst

20.4.2005 - Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger ist neuer Papst. Als Benedikt XVI. wird der als erzkonservativ geltende 78-Jährige die katholische Kirche mit ihren weltweit 1,1 Milliarden Mitgliedern ab jetzt führen. 115 Kardinäle wählten ihn überraschend nur 26 Stunden nach Beginn ihres Konklaves im Vatikan zum Nachfolger von Johannes Paul II.. Ratzinger, früher Erzbischof von München und Freising, war als einer der aussichtsreichsten Favoriten gehandelt worden. Dennoch hatten viele Beobachter bezweifelt, dass sich die aus 52 Ländern stammenden Mitglieder des Konklaves mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit auf den in Fragen der Kirchendoktrin polarisierenden Hardliner Ratzinger würden einigen können.

Die Internationale Presse hat die Wahl von Joseph Ratzinger zum neuen Papst überwiegend skeptisch aufgenommen, so äußert sich die engliche Zeitung "The Independent" folgendermaßen: "Die Wahl einer so reaktionären Gestalt wird auch viele außerhalb der Kirche verärgern. In zentralen Fragen wie der Verbreitung von Aids in Afrika und Asien, der Unterdrückung von Frauen in der Dritten Welt oder der Position von Homosexuellen in der Gesellschaft hat die katholische Kirche ihre Stimme erhoben und damit großen Schaden verursacht. Papst Benedikt XVI. mag das Charisma von Johannes Paul fehlen, aber er wird wahrscheinlich genauso wie dieser seine politischen Ansichten von sich geben und sich traurigerweise mit ebenso großer Wahrscheinlichkeit auf die falsche Seite schlagen. Der weiße Rauch aus dem Schornstein des Vatikans hat eine schnelle Entscheidung bekannt gegeben - und die Fortsetzung des Krieges des Vatikans mit der modernen Welt."

Die linksliberale Pariser Tageszeitung "Liberation" schreibt über den neuen Papst: "Die rasche Wahl der Kardinäle im Konklave scheint ein Zeichen dafür zu sein, das der Kandidat der konservativen Kräfte sich ohne große Mühe durchgesetzt hat. Dies kann man als ein Festhalten an dem Erbe seines Vorgängers interpretieren. Doch auch die unglaubliche Popularität von Johannes Paul II. hat seine Lehre nicht beeinflusst und hat auch nicht den Rückgang der Kirchenbesuche aufhalten können. Es gibt nichts in der Vergangenheit Ratzingers, weder sein überragender Intellekt noch sein Ruf als Panzerfahrzeug Gottes, was auf eine Änderung seiner konservativen Haltung schließen lässt." (www.netzeitung.de)

Joseph Ratzinger wurde am 16.4.1927 in Marktl am Inn geboren. Die Geburtszeit wird in Tägers IHL-4 mit 4.15 MEZ angegeben, was außerordentlich stimmig erscheint (siehe Abb. rechts):
Der religiöse Jupiter als Herrscher von 10 steht dominant am Fische-AC und im Quadrat zum Schütze-MC. Auch dem spirituellen Neptun fällt eine besondere Bedeutung zu. Er bildet zusammen mit der Widder-Sonne und dem MC ein großes Trigon. Der unaspektierte Saturn in Schütze und im 9. Haus zeigt den "strengen Bewahrer einer konservativen Glaubenslehre". Die Merkur-Uranus-Konjunktion im Quadrat zu Mars (alle drei am Widderpunkt) lässt die vielgerühmte mentale Schärfe erkennen. Der Waage-Mond im 7. Haus der Öffentlichkeit empfängt von Pluto ein exaktes Quadrat. Mit diesen Konstellationen ist in der Tat nicht zu erwarten, dass der neue Papst in Zukunft stark von seiner rigiden, konservativen Haltung abweichen wird.

Zum Zeitpunkt der Wahl befindet sich der laufende Pluto exakt am MC (höchste Machtposition). In der Sekundärprogression haben Sonne und Aszendent das Gegenbogen-Quadrat zum Radix-Jupiter erreicht. Jupiter und Uranus bilden eine progressive Konjunktion (nicht abgebildet). Weiterhin finden wir eine Sonne-Jupiter-Pluto-Progression in Teiler 7 (Abb. links) - eine Konstellation übrigens, die sich in dieser Form nur einmal im Leben ergeben kann!

Astrologisch von Interesse ist in diesem Zusammenhang auch das Horoskop der Vatikanstadt (7.6.1929, 11.00 MET, Rom, Quelle: Campion, Buch der Welthoroskope - siehe Abb. rechts). "Die Unabhängigkeit wurde 1929 durch die Entstehung der Vatikanstadt wiederhergestellt. Vertreter des Papstes und der italienischen Regierung unterzeichneten am 11. Februar etwa um die Mittagszeit den Lateranvertrag, der die Staatsgründung ermöglichte. Fälschlicherweise betrachtete man dies als Beginn der Unabhängigkeit, und dieses Datum wurde in mehreren Handbüchern verbreitet. Der Vatikan erlangte jedoch erst am 7. Juni 1929 um 11.00 Uhr seine Unabhängigkeit, als Mussolini, der italienische Premierminister, und Kardinal Gasparri in Rom die Ratifizierungsurkunden austauschten." (Campion, Buch der Welthoroskope)

Das astrologische Profil des Vatikan (und somit der katholischen Kirche allgemein) macht deutlich, dass Modernisierung eine ständige Herausforderung bedeutet. Es besteht ein intellektueller Idealismus (Stellium von Sonne, Mond und Merkur in Zwillinge; Neptun bildet ein Quadrat zum MC), der, eingepackt in die Ketten der Tradition, um jeden Preis geschützt werden muss (Saturn in Schütze als Spannungsherrscher bildet zusammen mit Venus und Neptun ein schützendes großes Trigon der Selbstgenügsamkeit).
Wie auch bei seinen Vorgängern weist das Horoskop des neuen Papstes wichtige geneinsame Schnittstellen mit dem Vatikan-Horoskop auf:
Die Venus des neuen Papstes bildet eine exakte Konjunktion zu MC und Jupiter des Vatikan-Horoskops. Sein Aszendent und Jupiter bilden ein Quadrat zu Merkur, AC-Herrscher des Vatikan-Horoskops. Der Komplex Merkur-Mars-Uranus des Papstes schließlich verbindet sich mit dem wichtigen Saturn des Vatikan-Horoskops.


Nachtrag

22.4.2005 - Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie genau der Kosmos arbeitet. Am 19. April um 18.04 färbt sich der aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle steigende Rauch weiß - der neue Papst ist gewählt. In dieser Minute befindet sich der laufende Meridian von Rom - letztes Zahnrad des großen kosmischen Uhrwerks - in exakter Konjunktion zur progressiven Sonne und dem progressiven Aszendenten des neuen Papstes - siehe Abb. links (Innenkreis: Sekundärprogressives Horoskop des neuen Papstes, außen: Zeitpunkt der Papstwahl in Rom). Der laufende Merkur (Stimmzettel, Papier) bildet eine Konjunktion zur progressiven Jupiter-Uranus-Konjunktion des Papstes.

Wie bereits erwähnt, befindet sich der laufende Pluto auf dem Radix-MC von Benedikt XVI. (nicht abgebildet). Pluto seinerseits steht in der Halbsumme von Jupiter und Uranus: Ich (MC) erfahre plötzliche Anerkennung, plötzliches Glück (JU/UR) durch die Massen (PL).

Noch eine kurze Bemerkung zur progressiven Entwicklung des neuen Papstes:
In den vergangenen Tagen gab es in den Medien zahlreiche Spekulationen über seinen angeblich nicht ganz stabilen Gesundheitszustand. Viel zu alt sei er für so eine große Verantwortung, sagen die Kritiker. Auch sein Bruder Georg äußerste sich besorgt. Andere machen sich schon Gedanken über mögliche Nachfolger. Bereits vor zwei Jahren war Ratzinger auf Grund von "Erschöpfungszuständen" ärztlich behandelt worden. Damals ging seine progressive Sonne über die progressive Achse von Mars/Saturn. Eine ähnliche Progression steht dem neuen Papst Ende des Jahres 2006 bevor, siehe dazu untere Abbildung mit einer Liste aller relevanten Faktoren und Halbsummen für Dezember 2006 in Teiler 4 (schwarz - Radix, rot - Sekundärprogression, blau, Transite):

Die progressive Sonne erreicht gegen Ende des Jahres 2006 im Gegenbogen exakt das Quadrat zur Mars/Saturn-Achse der Geburt (SO p = MA/SA). Eine derartige progressive Verbindung ist für einen fast 80-Jährigen als sehr kritisch einzuschätzen. Wünschen wir dem neuen Papst alles Gute für die Zukunft und dass er die schwierigen Konstellationen gut überstehen möge.


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